Auf der suche nach Utopia im M - Museum Leuven 20.10.2016 - 17.01.2017

Porträt einer Prinzessin

Dieses Werk von Jan Gossaert erzählt die ganze Geschichte der Ausstellung Auf der Suche nach Utopia auf einem einzigen fantastischen Bild mit dem Titel Bildnis einer jungen dänischen Prinzessin mit Armillarsphäre. Die Armillarsphäre, die sie in der Hand hält, stellt das Universum dar. Sie war zu Zeiten von Thomas More aber auch ein Sinnbild der Weisheit und Erkenntnis. Die Metallringe stellen die Bewegungen der Himmelskörper dar.

Die Prinzessin hält das wissenschaftliche Instrument absichtlich verkehrt herum! Jan Gossaert vermittelt dadurch die Botschaft von Utopia auf eine wunderbare Weise: Wenn man die Dinge auf den Kopf stellt und aufgeschlossen gegenüber Neuerungen ist, erzeugt man eine Wende in den herrschenden Auffassungen.

Auf der Suche nach Utopia ist Ihre Armillarsphäre. Die Ausstellung bietet Ihnen eine einzigartige Perspektive auf die Umbrüche, die das 16. Jahrhundert prägten. Sie bereichert Ihr Wissen in vier Teilen. Schritt für Schritt lernen Sie diese faszinierende Epoche besser kennen, schätzen und bewundern. Auf der Suche nach Utopia wird ein wahrer Augenschmaus.

Utopia von Thomas More (1516) 

Ein goldenes Büchlein aus Leuven erobert die Welt

Leuven, Dezember 1516. An der Ecke der heutigen Naamsestraat und der Standonckstraat erscheint beim Drucker Dirk Mertens das erste Exemplar von Utopia. Ein goldenes Büchlein, nicht weniger heilsam als lustig, über die ideale Republik und die neue Insel Utopia, lautete der Untertitel. Thomas More schrieb das Buch aus Enttäuschung über die Korruption und die Misswirtschaft, die in England üppig wucherten. Seine Antwort darauf war Utopia: eine imaginäre Insel, auf der Glück und Gerechtigkeit blühten. Die Tatsache, dass Utopia eine realisierbare Gesellschaft zu sein schien, schlug in der von der Kirche dominierten Gesellschaft ein wie ein Bombe.

Das Buch Utopia war ein Meilenstein in der Geschichte, der Beginn einer neuen Epoche im europäischen Denken. Auch Desiderius Erasmus, ein guter Freund von Thomas More, war ein Erneuerer. Er schrieb in dieser Zeit ebenfalls ein bahnbrechendes Werk mit dem Titel Lob der Torheit, das Ihnen sicher bekannt ist. More und Erasmus verliehen der Gesellschaft mit ihren Manifesten einen enormen Impuls. Im 15. und 16. Jahrhundert suchten Maler, Weber und Bildhauer Inspiration in dem Traum von einer idealen Welt. Die Sehnsucht nach neuen Horizonten sorgte für eine bis dato beispiellose kreative Produktion.

Die kreative Energie dieser Zeit werden Sie auch in der Ausstellung spüren. Innovationen, die Suche nach dem Unbekannten, die Sehnsucht nach Idealen und Traumbilder führten zu einer fantastischen Reihe von Werken.

Utopia für Anfänger: Mehr wissen über Thomas More

Für alle, die Thomas More, den Humanismus und Utopia noch nicht so gut kennen, gibt es im M – Museum zu Beginn der Ausstellung eine kleine Einführung. Ein kurzer Dokumentarfilm macht Sie im Handumdrehen mit dieser außergewöhnlichen Zeit vertraut. Wirklich zu empfehlen, auch für alle, die meinen, Thomas More sei ihnen bereits bekannt…

Traumwelten

Kunst zwischen Himmel und Hölle

Utopia ist nicht nur eine Geschichte von Träumen und Idealen, auch Fehlschläge und Enttäuschungen gehören zu der Suche nach einer neuen Gesellschaft. Der Traum bleibt erhalten oder entwickelt sich zu einem Alptraum. Dieser Dualität zwischen Erfolg und Misserfolg ist der zweite Teil der Ausstellung gewidmet.

In Utopia wird beiden Aspekten Aufmerksamkeit geschenkt. More hebt die Bedeutung der Harmonie hervor: von der Neuverteilung des Reichtums bis hin zur Chancengleichheit für alle, ganz gleich ob sie nun arm oder reich, Mann oder Frau sind. In Utopia herrscht auch Religionsfreiheit und sogar ein Tabuthema wie Euthanasie ist dort gang und gäbe. Die ideale Welt hat aber auch ihre Schattenseiten. Menschen werden ausgeschlossen und erhalten keinen Zugang zu Orten, an denen man sich gerne aufhalten würde. Sehr erkennbar! Um diese Dualität noch besser hervorzuheben, gibt es zwei Räume: die Utopie und ihr Gegenstück, die Dystopie.

Ein treffendes Beispiel für die ideale Welt ist das Schützenfest des Meisters von Frankfurt. Man sieht eine Gruppe von Menschen in einem lieblichen Garten, die das Leben in vollen Zügen genießen. Doch auch vor der anderen Wirklichkeit verschließt der anonyme Maler nicht die Augen: Eine Gruppe von Menschen wird von bewaffneten Wächtern zurückgehalten. Das Tor ist geschlossen. Unerwünschte Besucher müssen draußen bleiben.

Eine zweite Herausforderung bilden die atemberaubend schönen Geschlossenen Gärten. Die kleinen Meisterwerke, die speziell für diese Ausstellung restauriert wurden, zeigen Darstellungen einer idealen, spirituellen und paradiesischen Welt.

Die Schattenseite der Utopie, die Dystopie, wird in einem gesonderten Raum gezeigt. Dort erwartet Sie ein berauschendes Spiel von Leidenschaft, Gottesfurcht und Todesangst. Die Kombination aus seltener Schönheit und unerhörter Entmenschlichung erzeugt ein wunderbares Spannungsfeld. Künstler schufen atemberaubende Darstellungen der brennenden Hölle, aus der kein Entkommen möglich zu sein scheint. In diesem Raum erhalten Sie die außergewöhnliche Gelegenheit, prächtige Spitzenwerke zu bewundern, die nur vorübergehend im M - Museum zu sehen sind. Das sollten Sie sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Hinter dem Horizont

Darstellung des Unbekannten

Utopia markiert den Beginn einer Zeit großer Neuerungen und Entdeckungsreisen in die Neue Welt hinter dem Horizont. Die Künstler waren neugierig, ihre Kreativität wurde noch nie zuvor so stark angeregt. In diesem Teil der Ausstellung Auf der Suche nach Utopia treten Sie in die Fußspuren dieser Künstler und lernen ihre ungezügelte Fantasie kennen. Hinter dem Horizont ist eine prachtvolle Sammlung mythischer Einhörner, exotischer Tiere und kostbarer Farbstoffe, die in unsere Region eingeführt wurden. Sie treffen auf Ungeheuer und bizarre „wilde Menschen“ aus fernen Ländern. Die bis dato unbekannte Welt hinter dem Horizont erschloss sich unseren Augen, als der französische Kartograf Pierre Desceliers für den französischen König seine berühmte Mappamundi auf Pergament zeichnete. Ferne unbekannte Gebiete in Amerika, Asien und Afrika bildeten eine faszinierende Inspirationsquelle. Geschichten und Fantasie nährten die Einbildungskraft und sorgten für kunsthistorische Höhepunkte. Die Entdeckung der Welt ging in dieser Zeit rasendschnell voran. Wie Künstler diese aufregende Zeit in innovative Werke umgesetzt haben, erfahren Sie in diesem Teil der Ausstellung: Hinter dem Horizont – Darstellung des Unbekannten. Das M – Museum wurde bisher nur selten mit so vielen Spitzenstücken verwöhnt.

Das Universum in der Hand

Träume von Raum und Zeit

Im vierten und letzten Teil der Ausstellung Auf der Suche nach Utopia erleben Sie einen wunderschönen Schlussakkord. Die Sehnsucht nach der idealen Welt erhielt in der Kunst eine neue Dimension. Die Menschen wollten das Universum und die Ewigkeit begreifen – und nicht länger nur daran glauben. Sie stellten die Armillarsphäre buchstäblich auf den Kopf und suchten eifrig nach ihrem Utopia. Wissenschaft und Kunst verschmolzen zu einer grandiosen Form. Der Mensch war in der Lage, das Universum in nur einer Hand zu halten, wie Jan Gossaerts Porträt der jungen Prinzessin beweist. Wenn schon ein Kind es kann und wagt: Warum sollten wir dann noch zögern?

Utopia ist ein Synonym für die Suche nach den Grenzen des Universums. Natürlich hat die Wissenschaft einen starken Impuls dazu geliefert. Sie lernen auf der Ausstellung die wissenschaftlichen Leuvener Original-Messinstrumente aus dem 16. Jahrhundert kennen. Leuven war in dieser Zeit tonangebend bei der Herstellung von Armillarsphären und Astrolabien. Mit diesen Instrumenten konnten Höhe und Ort der Himmelskörper bestimmt werden. Gerard Mercator, Gemma Frisius und Gualterus Arsenius machten aus diesen Navigationsgeräten verblüffende Kunstwerke. Es ist den Ausstellungsmachern von Auf der Suche nach Utopia gelungen, sage und schreibe fünf der sieben noch bestehenden Armillarsphären zusammenzubringen. Sie sind aus der ganzen Welt nach Leuven gekommen. Ein besonderes Ereignis: Die Geräte können zum ersten Mal zusammen in Leuven bewundert werden. Lassen Sie sich in diese fernen Welten entführen und träumen Sie von Raum und Zeit bei Ihrem Besuch der Ausstellung Auf der Suche nach Utopia.

Sind Sie von der Welt Thomas Mores fasziniert? Schauen Sie sich dann auf jeden Fall das Programm an, denn es gibt insgesamt 25 Ausstellungen und Veranstaltungen zum Thema Utopia. Am 17. Januar 2017 verabschiedet sich Leuven von Thomas More. Sorgen Sie also dafür, dass Sie keines dieser einzigartigen Ereignisse verpassen.

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